Tauchgang mit Kaltwasser Atemregler Mares Abyss

DIR-Tauchen

Tauchgang mit Kaltwasser Atemregler Mares Abyss

Tauchen nach dem DIR-Prinzip

Das DIR Tauchen – In der Taucherwelt gibt es viele Philosophien und Meinungen, was die Konfiguration der Taucherausrüstung anbelangt. Heute möchte ich euch einen Einblick in die Philosophie geben, nach der ich meine Ausrüstung konfiguriere: Die DIR-Philosophie. 

Das Wort „DIR“ kommt aus dem Englischen, und steht für „Doing It Right“ – Zu Deutsch: Mach es richtig! Und genau hier setzt diese Philosophie an. Der DIR-Taucher will seine Taucherausrüstung so einfach und übersichtlich wie möglich konfigurieren. Überflüssigen Schnickschnack möchte er nicht dabei haben, da dieser erstens in einer Notsituation dem Taucher mehr im Wege steht als zu helfen, und zweitens ganz einfach unnötig ist. Trotzdem wird an die Ausrüstung eine sehr hohe Anforderung gerichtet. Beim DIR-Tauchen möchte man auf nahezu jedes möglicherweise auftrennende Problem vorbereitet sein, und dieses schnell und einfach beheben können.

Das DIR-System wurde ursprünglich von amerikanischen Höhlentauchern ins Leben gerufen. Diese haben festgestellt, dass Tauchunfälle immer wieder die selben, wiederkehrenden Uhrsprünge haben. Hier sei als Beispiel eine abblasender Atemregler oder ein Ausfall des Lichtsystems genannt. Aus diesem Grund wurde ein Konzept entwickelt, mit dem diese Probleme möglichst beseitigt werden sollten. Die DIR-Philosophie gibt sehr genau vor, aus welchen Komponenten eine Ausrüstung zu bestehen hat, und wie diese konfiguriert sein muss. Einige Kritiker werfen deshalb den DIR-Gründern profitorientiertes handeln vor, da zb. hauptsächlich Atemregler von Firmen als DIR-tauglich beschrieben werden, von denen die DIR-Gründer Firmenanteile besitzen. Man kann davon halten, was man will. Es geht bei DIR ja nicht hauptsächlich um die einzelnen Ausrüstungsgegenstände, sondern darum wie diese konfiguriert sein sollten! Ich tauche auch nicht mit „DIR-tauglichen“ Atemreglern. Trotzdem ist mein Gesamtsystem nach dem DIR-Prinzip gehalten.

Die exakten Vorgaben, was die Ausrüstung betrifft, besitzt aber einen sehr großen Vorteil anderen Philosophien gegenüber! Wer kennt das nicht: Jedes Mal, wenn man mit einem fremden Taucher ins Wasser springen will (was besonders im Tauchurlaub sehr oft vorkommt) fängt die Fragerei, vorausgesetzt man ist ein vorbildlicher Taucher, und besteht auf einem sauberen Buddy-Check, an. Wo hast du den nun deinen Oktopus verstaut? Wo ist dein Blei? Und wo zum Teufel sind deine Schnellablässe? Das ist mühsam, und wird daher von nicht wenigen Tauchern einfach weggelassen. Falls dann der Ernstfall eintritt, guckt man nur doof aus der Wäsche, was dem Buddy unter Umständen das Leben kosten kann! Bei dem DIR-System entfällt das. Wenn DIR-Taucher zusammen tauchen gehen, muss keiner dem anderen seine Ausrüstung erklären, denn es tauchen alle mit der exakt gleichen Konfiguration. Das DIR-System ist aber nicht ausschliesslich für technische Taucher konzipiert. Auch wenn es ursprünglich aus diesem Bereich kommt, kann es ohne Problem auf das Sporttauchen angewandt werden, und erhöht so die Sicherheit erheblich.  Kommen wir nun zu den einzelnen Punkten der DIR-Konfiguration:

Die Tauchflasche 

Beim DIR Tauchen wird prinzipiell immer mit Doppelgerät getaucht. Standard ist das Doppel 12. Also  sind insgesamt 24 Liter Atemgas verfügbar. Das Doppelgerät muss zwingen über eine absperrbare Brücke verfügen, welche die zwei Einzelflaschen miteinander verbindet. Das Doppelgerät bietet dem folgende Vorteile gegenüber einer Monoflasche: Bei einem abblasen der ersten oder zweiten Stufe, kann das betroffene Flaschenventil selbstständig(!) geschlossen werden. Somit wird der Gasverlust auf ein Minimum beschränkt. Bei einer Monoflasche ist es sehr schwierig bis unmöglich an die Ventile (Bei einen Flasche mit Doppelventil, vorausgesetzt) zu kommen. Probiert es doch bei eurem nächsten Tauchgang einfach mal aus 😉 Desshalb wird bei Sporttaucherverbände gelehrt, dass der Buddy für das zudrehen der Ventile zuständig ist.

Nun, dass klingt in der Theorie alles ganz gut, sieht aber in der Praxis ein wenig anders aus. Was wenn man den Buddy im trüben Wasser aus den Augen verloren hat? Das geschieht vor allem in heimischen Seen bei einer Sicht von teilweise <1m schneller als man denkt. Oder was wenn der Buddy selber mit einem Problem zu kämpfen hat? Wenn er im Stress das falsche Ventil zuschraubt? In 30 Metern Tiefe ist so eine 12-Liter Flasche sehr schnell leer…Alles kritische Faktoren, die schnell zu ernsthaften Problemen führen können. Mit einem Doppelgerät sind diese auf einen Schlag aus der Welt geschafft. Ein weiter wichtiger Punkt ist die absperrbare Brücke. Beim Tauchen wird sie offen gelassen, so das der gesamte Gasvorrat zur Verfügung steht. Falls nun eine Undichtigkeit an der Ventilverschraubung auftritt, kann die Brücke geschlossen werden, und die undichte Flasche isoliert werden. So steht dem Taucher immer noch die Hälfte seines Gasvorrates zur Verfügung. Bei einer Monoflasche wäre dies nicht möglich

DIR Tauchen - Doppelgerät
Doppelgerät mit absperrbarer Brücke

Der Lange Schlauch

Das Merkmal der DIR-Taucher schlechthin. Der 210cm lange Schlauch, welcher um den Oberkörper und Hals gewickelt wird. Böse Zungen behaupten, DIRler führen in mit sich, um sich in aussichtslosen Situation daran zu erhängen. Natürlich ist das Quatsch. Der lange Schlauch hat einen ernsthaften Hintergrund.  Der lange Schlauch ist, anders als bei Sporttaucher Hauptregler und Oktopus gleichzeitig. Standardmässig wird während dem Tauchgang aus dem langen Schlauch geatmet. Falls der Buddy keine Luft mehr hat, wird im der lange Schlauch gereicht, und selber auf den kurzen Backup-Regler, der mit einem Gummiband um den Hals befestigt ist, zurückgegriffen. Das hat folgenden Grund: Studien haben gezeigt, das Taucher in einer Ohne-Luft-Situation dazu tendieren ihrem Buddy den Regler einfach aus dem Mund zu reissen. Zudem kann der Regler sofort abgeben werden, und muss nicht zuerst, wie bei herkömmlicher Sporttaucherausrüstung am Jacket „gesucht“ werden.

Der lange Schlauch wird von der rechten ersten Stufe runter, unter dem Lampentank durch, von dort schräg vor dem Oberkörper hinauf zur linken Schulter, und von dort einmal um den Hals geführt. So wird ermöglicht den langen Schlauch mit einer einzigen, kurzen Handbewegung innerhalb weniger Sekunden komplett freizugeben. Das der Schlauch so ungewöhnlich lang ist, kommt nicht von ungefähr: In Höhlen muss der Schlauch genügend lang sein, damit zwei Taucher in Engstellen hintereinander her tauchen können. Trotzdem empfinde ich den langen Schlauch auch im Open Water Bereich als Vorteil.

Meiner Meinung nach sind die Oktopusse von Sporttauchern viel zu kurz. Falls man mal am Oktopus hängt, klebt man aufgrund dessen Länge förmlich am anderen Taucher. Kopfdrehen, und Orientierung fallen flach, da einem sonst der Regler aus dem Mund gerissen wird. Das begünstigt in Notsituation Stress und Panik. Der lange Schlauch hingegen bietet genügen Spielraum, dass zwei Taucher in genügendem Abstand nebeneinander – oder auch hintereinander tauchen können. Der Taucher ohne Luft kann sich ohne Probleme umsehen und austarieren, ohne das im der Regler aus dem Mund gerissen wird.

DIR-Tauchen - Der Lampentank DIR-Tauchen - Der Longhose kommt unter den Lampentank

Schlauchkonfiguration beim DIR Tauchen

Es werden zwei gleichwertige, kaltwassertaugliche erste Stufen verwendet. An der rechten Stufe wird der lange Schlauch, sowie der Inflator für das Jacket befestigt. Der Inflatorschlauch wird dabei nach links hinter dem Nacken zum Inflatoranschluss geführt.

DIR-Tauchen - Erste Stufe rechtsDIR-Tauchen - Konfiguration der Schläuche

 

 

Von der Linken Stufe gehen Backup-Regler, Inflator für den Trockentauchanzug und Finimeter ab. Der Schlauch des Backup-Reglers wird nach rechts hinter dem Nacken geführt und mit einem Gummiband, dem sogenannten „Necklace“ um den Hals befestigt. Somit ist der Backup-Regler immer griffbereit, und kann bei einer Abgabe des langen Schlauches sofort in den Mund genommen werden. Da er sich in unmittelbarer Nähe des Mundes befindet, ist dies theoretisch auch ohne Zuhilfenahme der Hände möglich.

DIR-Tauchen - Erste Stufe links

DIR Tauchen - Der Backup Atemregler

 

Der Inflatorschlauch für den Trockentauchanzug wird unter dem linken Arm zum Inflatorventil geführt. Das Finimeter wird mit Hilfe eines Boltnapes bei Nichtverwendung an den linken D-Ring des Harnessgurtes eingeklinkt. Somit ist es nicht im Wege, oder wird über den Grund gezogen. Bei einem Luft-Check wird es einfach mit der linken Hand ausgeklinkt, abgelesen und wieder eingehängt.

 

DIR-Tauchen- Der Inflator für den TrockentauchanzugDIR-Tauchen - Das Finimeter

 

Wichtig bei der eben beschriebenen Konfiguration ist die Schlauchführung. Es sollten möglichst keine Schläuche abstehen. Die Schläuche müssen möglichst eng am Körper geführt werden. Nur so verringert sich die Gefahr mit einem Schlauch irgendwo hängen zu bleiben. Um abstehende Schläuche zu verhindern, und den ungestörten Zugriff auf die Ventile zu gewährleisten, führen die Schläuche von der ersten Stufe immer(!) nach unten weg. Zu erwähnen bei dieser Konfiguration ist die gegeben Redundanz. Es dürfen niemals beide Atemregler oder beide Inflatoren an einer ersten Stufe befestigt werden! Wenn beim DIR-System der Hauptregler ausfällt, und das Ventil geschlossen wird, fällt zwar die Tarifierung über das Jacket flach, aber es kann immer noch über den Trockentauchanzug tariert werden.

DIR-Schlauchkonfiguration

DIR-Tauchen Tauchen nach DIR
Vollständige DIR-Konfiguration. Die Lampe wird in der Linken Hand geführt. 

Tauchanzug beim DIR Tauchen

Ob ein Trockentauchanzug nun nötig ist, um DIR-Konform zu tauchen, darüber scheiden sich die Geister. Fakt ist, ein Trockentauchanzug besitzt einen klaren Vorteil gegenüber dem Neoprenanzug: Die Redundanz: Falls das Jacket ausfällt, oder gar beschädigt wird, ist es immer noch möglich, die Tarifierung über den Trockentauchanzug zu kontrollieren. Bei der Verwendung eines Neoprenanzuges ist dies nicht möglich.

Viele technische Taucher und Höhlentaucher sind dazu übergegangen, unabhängig von der Wassertemperatur einen Trockentauchanzug zu verwenden – aus eben genanntem Grund. Ob man sich diesem Trend nun anschliesst, sei jedem selber überlassen. Natürlich ist es problemlos möglich auch mit dem Nasstauchanzug „DIR-Konform“ zu tauchen. Falls man sich für einen Trockentauchanzug entscheidet, finden sich hier weitere Informationen dazu. Wie bereist gesagt, muss man das DIR-System als Sporttaucher nicht zwingend als strikte Richtlinie betrachten, sondern kann sich daraus aussuchen was einem gefällt. In einem anderen Beitrag werde ich zb. auf eine „urlaubstaugliche“ DIR-Konfiguration eingehen.

Nun habt ihr einen groben Überblick über das DIR-System erhalten. Natürlich gibt es noch einiges mehr, aber die oben aufgeführten Punkte sind mitunter die wichtigsten. In Zukunft wird es sicher mehr zum Thema DIR-Tauchen geben. Das DIR-System ist meiner Meinung nach ein tolles System für ambitionierte Sporttaucher.

Zugeben, am Anfang ist man von der „eigenartigen“ Schlauchführung schnell überfordert. Aber sobald man sich ein wenig mit der neuen Ausrüstung vertraut gemacht hat, sollte das kein Problem mehr sein. Ich persönlich würde das DIR-System allen Sporttaucher weiterempfehlen, die bereits ein wenig Erfahrung sammeln konnten. Blutige Anfänger sind mit dem System schnell überfordert. Und das ist auch nicht der Sinn der Sache.

 

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